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Die Geschichte über Kintai

Aus: http://wiki-de.genealogy.net/Kinten

Kinten (Kr. Heydekrug)

Name

Der Name weist auf unbeständige Wetterverhältnisse.

  • preußisch-litauisch "kintamas" = veränderlich, wankelmütig
  • "kentu, kisti" = etwas zum Trocknen ausbreiten, Trockenkammer, Trockenhaus

Allgemeine Information

 

Politische Einteilung

1940 ist Kinten (Kr.Heydekrug) eine Gemeinde mit den Dörfern Bliematzen , Kinten , Ogeln , Paweln und Szauken .
1940 ist Kinten (Kr.Heydekrug) eine Revierförsterei des Forstamtes Norkaiten .

 

Evangelische Kirche

Kinten (Kr.Heydekrug) ist seit 1709 Kirchspielort, vorher stand die Kirche dieses Kirchspieles in Windenburg .

"Im Jahr 1709 zog der Pfarrer Wittich von Windenburg, wo früher eine Kirche stand, die das kurische Haff verschlungen hatte, nach Kinten. Die ev. Pfarrkirche, Patron der König, dürfte deswegen aus dem Anfang des vorigen Jh. stammen. Es ist ein geputzter Ziegelbau ohne Turm mit Strebepfeileern, je fünf im Halbkreis geschlossene Fensterachsen lang, mit angebauter Sakristei im Halbkreis, 30m l., 13,5m br. Der hölzerne Glockenturm steht gesondert im S.O. der Kirche. - Im Innern Holzdecke mit Stichbogen. Altar und Kanzel steht vereint; die Kanzel zwischen zwei kannelierten, korinthischen Säulen mit verkröpftem Gebälk darüber, worauf der Schalldeckel folgt. Darüber ein Geschoß mit je zwei gemalten , korinthischen Säulchen, in dem die plastische Kreuzigungsgruppe steht. Im zweiten Geschoß wieder je zwei gemalte, korinthische Säulchen, l. Paulus mit Schwert, r. eine weibliche Heilige (?) mit Schlüssel und Schwert. Bekrönung: das Auge Gottes nebst zwei Vasen.

Zwei zinnerne Altarleuchter: G. Danehl aus Minge 1759. Glatter silb. Kelch nebst Patene, Königsberger Arbeit. - Krankenkelch nebst Patene von I.A.K. - In der Sakristei ein Kruzifixus mit hübschen Barockverzierungen des Kreuzes. Auf dem Kirchboden ein hölzerner Taufengel mit Flügeln, ungestrichen. Gemälde: Pfr. Wilhelm Wittich + 1718. - Pfr. Christian Ephraim Hübner + 1804." Quelle: Bötticher, Adolf: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft V. Litauen, Königsberg 1895, S. 69f

  • Über die Entlassung des Praecentor Wenzlawsky zu Kinten de 1801/2 . [1] Christian Ephraim Hübner , Pfarrer Adj. zu Kinten schreibt am 13.März 1794 eine "Klage über das gesetzwidrige und anstößige Betragen sowohl des Praecentor Gottfried Lehmann und dessen Adj. Praecentor George Wentzlawski".
Zugehörige Ortschaften

Zum Kirchspiel Kinten (Kr.Heydekrug) gehörten 1912 folgende Ortschaften:

Alt Rugeln , Barteljudjar , Beckern , Blaszen , Bliematzen , Bundeln Forst , Feilenhof , Gaitzen , Jatzischken , Jonsakuth , Killischken , Kinten Dorf u. Forst, Kischken , Kioschen , Klumben , Kogsten , Krakerort , Lampsaten , Mackuten , Matzken , Michel Sakuten , Minge , Neu Rugeln , Ogeln , Pauren , Paweln , Prätzmen , Raudszen , Rogaiszen , Stankischken , Sturmen , Suwehnen , Szauken , Szienen , Teboes , Wabbeln , Weppern , Windenburg .
Von obenstehenden Ortschaften waren 1912 zum Seelsorgebezirk Neu Rugeln gewiesen:

Alt Rugeln , Jatzischken , Killischken , Krakerort , Neu Rugeln , Wabbeln .

Kirchenbücher

Die Kirchenbücher von Kinten (Kr.Heydekrug) sind nur noch als Verfilmungen des Reichsippenamtes erhalten, die heute in Leipzig lagern (Sächsisches Staatsarchiv Leipzig ). Die Originale sind verschollen. Vorhanden sind als Verfilmungen nur noch:

  • Taufen 1822-1862
  • Heiraten 1803-1875

Als Sekundärquellen gibt es Tabellen der Konfirmanden in den Kirchenvisitationberichte, die auf das Portal www.epaveldas.lt digitalisiert sind.

siehe auch: Ostpreußen/Genealogische Quellen/Kirchbuchbestände Kreis Heydekrug

Katholische Kirche

Kinten (Kr.Heydekrug) gehörte 1907 zum katholischen Kirchspiel Szibben .

Zugehörige Ortschaften

Zum Standesamt Kinten (Kr.Heydekrug) gehörten 1907 folgende Ortschaften: Blaszen , Kinten , Minge , Ogeln , Paweln .

Standesamtsregister

Die Standesamtsregister von Kinten (Kr.Heydekrug) sind fast vollständig verschollen. Im Litauischen Historischen Staatsarchiv in Wilna sollen folgende Register lagern:

  • Geburten: 1939
  • Heiraten: 1939
  • Sterbefälle: 1939

 

Geschichte

  • 1757 Die Russen fallen im Sommer (im Siebenjährigen Krieg) unter Graf Fermor und Feldmarschall Graf Apraxin in Ostpreußen ein. Zarin Elisabeth I. erklärt durch Patent vom 31. Dezember 1757 Ostpreußen als russisches Eigentum.
  • 1758 Jan. Eine russische Armee unter Graf Fermor besetzt kampflos das ungeschützte Ostpreußen.
  • 1762 Nach dem Tod der Zarin Elisabeth (5.1.1762) kommt es unter ihrem Nachfolger, Zar Peter III., zum Frieden mit Preußen (5.5.1762 Vertrag von St. Petersburg). Russland gibt ohne Entschädigung die besetzten bzw. bereits annektierten Gebiete Ostpreußen, Hinterpommern und Neumark zurück. Die Russen ziehen ab, Kinten wird wieder preußisch.
  • 1945 Kinten wird von der Roten Armee besetzt.

Verschiedenes

Memeler Dampfboot

  • 11. Dezember 1933: An einem der letzten Tage war der Arbeiter Kalwellis aus Paweln mit Reparaturen an dem Kirchendach beschäftigt. Dabei stürzte Kalwellis von einer hohen Leiter. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach der Kreisheilanstalt gebracht werden mußte.

Aus dem Amtsblatt für das Memelgebiet vom 26. Juli 1937: Bekanntmachung : Der Verbandsvorsteher des Friedhofverbandes Kinten macht folgendes bekannt: Der alte Friedhof in Kinten , welcher seit dem Jahre 1903 polizeilich gesperrt war, ist nun wieder der Öffentlichkeit zur Beerdigung freigegeben worden. Interessenten, welche ihre Gräber auf diesem Friedhof weiter erhalten wollen oder einen Anspruch auf Erbbegräbnis stellen, werden aufgefordert, innerhalb vier Wochen bei dem Unterzeichneten eine begründete schriftliche Erklärung abzugeben. Ogeln, den 22.Juli 1937, Der Verbandsvorsteher, gez. Schwede

Der Kurort Kinten im Memelgebiet, der dicht am Kurischen Haff liegt und von drei Eisenbahnstationen Heydekrug , Szameitkehmen und Prökuls umgeben ist, kann auf dem Land- und Wasserwege leicht und bequem erreicht werden. Zwischen der Bahnstrecke Szameitkehmen, die kaum 20 km entfernt liegt, wird eine regelmäßige Postautoverbindung mit den Morgen- und Abendzügen unterhalten.

Der Kintener Wald und der Ort mit seiner wunderbaren, natürlichen Lage, vermag die Sehnsucht der Erholungssuchenden zu stillen, denn die Süßwasserbäder des Haffs wecken neue Belebung und die frische, reine, ozonhaltige Waldluft trägt das Weitere zur Stärkung des Herzens, der Nerven und Lungen bei.

In Kinten läßt sich für verhältnismäßig billiges Geld gut und angenehm wohnen. Die Gaststätten halten eine Anzahl freundliche Zimmer für ihre Gäste bereit. Die Verpflegung ist den Ansprüchen des Publikums entsprechend, jedoch nicht hoch.

Innerhalb des Ortes fällt dem Besucher zunächst die turmlose 225 Jahre alte Kirche auf. Neben ihr ein aus Kunststein gefertigtes Kriegerdenkmal zu Ehren der im Weltkriege gefallenen Kirchspieleinwohner. Beachtenswert ist ferner die drei Menschenalter überlebte dreiklassige Volks-, früher Kirchschule. Ein kleiner Spaziergang durch den Wald bringt den Wanderer am Schloßberg, lenkt er seine Schritte von hier aus fünf Minuten in westlicher Richtung, so erblickt er bald durch die Lichtung der Bäume das vom Winde leicht bewegte Schilfrohr am Haffufer und darüber hinaus die weiten Wasserflächen des Kurischen Haffes, welches jedermann Gelegenheit zum Schwimm-, Segel-, Angel- und Rudersport bietet.

Kinten im Winter bietet sowohl dem Wanderer wie Sportsmann Abwechselung in reichem Maße. Im geschützten Walde können jederzeit Spaziergänge unternommen und auf der Eisdecke des Haffes Segelschlittenfahrten ausgeführt werden.

Die Umgebung von Kinten ist sagenreich, insbesondere die Ortschaften Jatzischken , Kreuzkrug , Feilenhof und Windenburg . Letztgenannter Ort, ein Fischerdorf, soll sich bis auf einen Steinwurf hin zu dem heutigen Badeort Nidden hingezogen und eine historische Kirche beherbergt haben, die später den alles vernichtenden Wasserfluten und Südweststürmen anheim fiel. Nach einer Sage soll die Strandriesin "Neringa" die Gefahr jener Zeit erkennden, Windenburg in den heutigen Grenzen mit ihrer Allgewalt eingedämmt haben.

Auf der Windenburger Ecke war auch der Sitz der Heidepriester. Ebenso verehrten die alten Preußen hier unter einer mächtigen Eiche ihre Heiligtümer. Das abgespülte Gebiet war von ihnen mit dem Namen "Perkunenkalwe" [2] belegt.

Sehenswert sind ferner die Eindeichungs- und Bewässerunganlagen der Mingewiesen sowie das Schöpfwerk in Stankischken . Nicht unerwähnt sei das romantisch gelegene Fischerdorf Minge an der Minge .

Außerdem ist Gelegenheit gegeben, das Elchrevier der Bundeler Forst [3] aufzusuchen und das seltene Elchwild neben dem anderen Wildbestand in Augenschein zu nehmen.

Wenn du nun, lieber Wanderer nach Schluß der Ferien frischen Herzens mit neuem Lebensmut heimkehrst und all das Gesehene und Erlebte als einen Genuß für dich verbuchst, dann unterlasse nicht, den schönen Ort, der dir wohlgetan hat und du voller Freudigkeit wieder schaffen kannst auch anderen zu empfehlen, damit Kinten nicht nur von dir als ein angenehmer Erholungsort bezeichnet wird, sondern er einen ihm zukommenden Platz unter den Bädern des Memelgebietes einnehmen kann.

Aus: http://wiki-de.genealogy.net/Kinten